Genderpolitik

28.12.2016 – In der NZZ Ausgabe „Alter Wilder Alec“ war zu lesen, dass es Frauenförderung deiner Meinung nach nicht mehr viel braucht. Was hat es mit dieser Aussage auf sich? (Artikel)

Diese Aussage bezieht sich auf die Bemühungen in Bern und in der Stadtverwaltung, das war die Frage der NZZ, bitte präzis bleiben. Weder in der Stadtpolitik (z.B. Ausbau familienexterner Betreuung, konkret Einführung Ganztagesschulen bzw. -Betreuung) noch in der Stadtverwaltung (Quote Frauen in Führungspositionen, Arbeitszeitmodelle zur besseren Vereinbarkeit Beruf Familie, Vaterschaftsurlaub) ist die Förderung von Gleichstellungspostulaten bestritten. In Bern sind die Zeichen der Zeit erkannt, es braucht keine neue Politik. Das wäre ja auch erstaunlich nach 24 Jahren RGM.

Wo bestehen deiner Meinung nach offene Fragen für die Frauenförderung in der Schweiz?
Anders ist die Situation auf Bundesebene. Natürlich braucht es noch viel Frauenförderung in der Schweiz, konkret: Karrierehindernisse beseitigen, Ausbau familienexterne Betreuung, Quoten für Verwaltungsrätinnen gemäss Vorschlag Aktienrechtsreform, Lohngleichheit jetzt durchsetzen, besserer Schutz und Entlöhnung in schlecht oder unbezahlten Tätigkeiten (Angehörigenpflege usw). Die Fragen sind unbedingt auf gesamtschweizerischer Ebene weiterzuverfolgen.

Dir wurde in jüngster Zeit vermehrt den Stempel „Frauenverhinderer“ aufgedrückt. Wieso wehrst du dich nicht dagegen?
Das ist absurd. Weder privat noch beruflich noch politisch habe ich mich gegen Frauen oder als Verhinderer von Frauen engagiert. Zahlreiche (starke) Frauen in meinem Umfeld (Familie, Partei, Beruf usw.) werden dies jederzeit bezeugen.

Du machst dir „mehr Sorgen“ um die Männer. Diese seien mit Beruf und mit immer mehr Aufgaben im Haushalt oftmals überfordert. Was kann man(n) konkret tun, damit ein Gleichgewicht hergestellt wird?
Der Schlüssel zu besserer Geschlechtergerechtigkeit liegt nicht nur in besserer Frauenförderung, sondern zB auch in der Verbesserung der Rahmenbedingungen für eine gerechtere Lastenverteilung in der Familie. Dies betrifft auch die Männer. So würde eine Erleichterung von Teilzeitarbeit für Väter dazu führen, dass diese mehr Familienarbeit übernehmen können. Zu oft wird nur über Förderung der Frauen anstatt auch über die Erleichterung des Engagements  von Vätern gesprochen. Zwar haben die Väter in den letzten Jahren mehr  Familienarbeit übernommen, ohne sich aber im gleichen Ausmass von der beruflichen Verantwortung zu entbinden. Damit sind Gesundheitsrisiken (Burn out, Herz-Kreislauferkrankungen) durch Überbelastung von Männern gestiegen. Geschlechtergerechtigkeit kann nicht nur durch Massnahmen auf Seite der Frauen, sondern auch auf Seiten der Männer erreicht werden. So ist das gemeint.

Wie stehst Du zu einem vernünftigen Vaterschaftsurlaub?
Der  Vaterschaftsurlaub ist das zentrale Schlüsselelement in dieser Diskussion auf eidg. Ebene. Währenddem in den letzten jahrzehnten alle Bemühungen um eine substanzielle Verbesserung des Vaterschaftsurlaubs systematisch abgeschmettert wurden, zeichnet sich jetzt eine Aufweichung der Fronten ab. Durch die Vorstösse über Elternzeit wurde eine Verschiebung der Argumentation erzielt. Sowohl in öffentlichen Verwaltungen als auch in der Privatwirtschaft werden punktuell bereits substanziell grosszügigere Lösungen von bezahltem Vaterschaftsurlaub von 2-4 Wochen und teilweise unbezahlten längeren Lösungen umgesetzt. Ich selber hatte (ausser bei meinem ersten Kind, da war ich noch Student) nie mehr als 2 Tage Vaterschaftsurlaub, das waren untragbare Verhältnisse, ich bin froh, dass wir hier bereits weiter sind.

One comment

  • Peter Vögeli

    By Peter Vögeli

    Reply

    Wenn das Geschlecht eine Rolle spielen sollte, hat das mit Demokratie nichts mehr zu tun. Ich habe nichts gegen Frauen in der Politik, von mir aus könnten es auch 7 Bundesrätinnen sein. Aber jemanden als „Frauenverhinderer“ zu beschimpfen (das Wort wird vom Computer soeben als unbekannt markiert), bloss weil die kandidierende Person biologisch männlich ist, geht Richtung Diktatur.

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